Prelude: Ein Schattenspiel.
Die Silhouette eines menschlichen Arms. Zwei Mücken tauchen auf und schweben über den Arm. Eine der beiden landet auf ihm und stößt ihren Rüssel hinein. Während sie sich mit Blut füllt, zögert die andere Mücke in ihrer Nähe. Es erscheint eine Hand und KLATSCH! die trinkende Mücke wird zerquetscht. Ihre Freundin fliegt eiligst davon, um sich zu retten.
1. Akt In den Blättern eines Birkenbaums frisst und singt ein Chor dicker Raupen. Die Stimme von Rauperich ist über den anderen zu hören: er fragt sich, in was sie sich wohl verwandeln werden. Mücke landet leise neben Rauperich. Sie sucht die Papierwespe. Mücke hat großen Hunger, trinkt aber kein Blut, weil ihr das zu gefährlich ist, und meint Papierwespe könne ihr helfen. Die Raupen beginnen ihre Metamorphose. Nur Rauperich macht nicht mit; er fragt sich nämlich welche Veränderung das bringen wird. So beschließt er, mit Mücke zu gehen und die Wespe zu fragen, in was er sich verwandeln wird.
Raupe und Mücke landen unter der Birke, wo die Versuchung, Blut zu trinken, für die Mücke fast unerträglich wird. Mistkäfer erscheint und weist ihnen den Weg zum Haus von Papierwespe.
Die Papierwespe erwartet sie, lauernd, in seiner Bibliothek. Er beantwortet Mückes Frage zuerst: wenn sie Hunger hat, darf sie seinen gegärten Nektar trinken, sie sollte aber wissen, daß alle Mädchenmücken früher oder später Blut trinken müssen. Rauperich, sagt er, wird ein Luna Nachtfalter werden. Rauperich ist nicht beeindruckt. Wespe versucht ihn mit einem Bild einer Luna zu überzeugen, endeckt aber dass Rauperich das Bild gegessen hat, und wirft empört beide aus seinem Haus. Draußen dämmert es. Mistkäfer rollt nach Hause und Wespe schließt die Fensterläden. Die blaue Stunde ruft Mücke, und sie fliegt davon. Rauperich bleibt übrig, und beschließt für sich, daß es besser ist, eine Raupe zu bleiben.
2. Akt Nacht auf der Erde. Rauperich ist alleine. Es wird ihm bewußt, daß, selbst wenn er den Weg zurück findet, die anderen Raupen nicht mehr da sein werden. Er sinkt verzweifelt zu Boden. Plötzlich tanzen Glühwürmchen heran, und ihnen nach eine etwas mitgenommenen Mücke. Sie erleuchten fröhlich die Nacht und beleuchten zwei ungeheure Augen, deren Anblick sie erschrickt und verscheucht.
Raupe und Mücke erkennen langsam, daß diese Augen die Augenpunkte auf den Flügeln eines ruhenden Nachtfalters sind. Rauperich is böse auf Mücke weil sie ihn im Stich gelassen hat. Plötzlich bemerkt Rauperich Luna Nachtfalter. Luna ist von ihrer Puppe halb geschlüpft, und hat sich darin verfangen. Sie stöhnt leise. Rauperich hilft ihr sich zu befreien. Mit dem Entfalten ihrer majestätischen Flügel entfaltet sich auch ihr Lied. Raupe ist verzaubert. Als sie langsam davonschwebt, schaut er ihr verträumt nach.
Mücke versteht, dass Rauperich auch ein Luna Nachtfalter werden wird. Sie will Rauperich den Weg nach Hause zeigen, bemerkt aber, dass sie hinter dem Haus der Wespe sind. Sie vergisst Rauperich und fliegt davon, um mehr Nektar zu trinken. Verlassen und verloren bricht Rauperich wieder alleine auf, fällt aber fast zugleich in eine Falle.
Rauperich ist in ein tiefes Loch gefallen. Spinne kriecht aus der Dunkelheit. Als sie im Begriff ist, ihn zu fressen, klopft es an ihrer Tür. Sie schubst ihr Haustier, die Spitzmaus, von der Tür weg und läßt Papierwespe herein. Mücke folgt ihm unbemerkt. Sie versucht Raupe zu befreien, wird aber von Spinne und Wespe entdeckt. Wie sich diese über Mückes schwachen Rettungsversuch lustig machen, hört man Mistkäfer von oben sein Lied singen: Plötzlich weiß Mücke, was sie zu tun hat, um stark genung zu sein um ihren Freund zu retten. Sie beißt die Spitzmaus. Diese erschrickt, stolpert von der Tür, und landet auf Spinne und Wespe, die aufschreien und hilflos um sich schlagen. Mit Mistkäfers Hilfe zieht Mücke ihren Freund aus dem Spinnenlager.
Im Laub unter der Birke triumphiert Mücke: Sie hat ihren Freund gerettet und endlich ist sie auch herrlich satt. Raupe untersucht die komischen braunen Säcke, die im trockenen Laub herumstehen. Ein Sonnenstrahl erleuchtet diese von hinten, und plötzlich werden die darin tanzenden Raupen sichtbar. Sie verpuppen sich gerade. Raupe jubelt: er ist nicht zu spät! Er winkt Mücke freundlich adieu und verschwindet auch in einem der Blätter.